Rezepte der 50er- und 60er-Jahre: Spargelröllchen – ein Klassiker der Nachkriegszeit
- all about taste Team
- 12. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Gerichte, die schmecken nicht nur nach Butter, Schinken und Spargel – sondern nach einer ganzen Epoche. Spargelröllchen gehören genau in diese Kategorie. Sie standen auf festlich gedeckten Tischen, bei Familienfeiern, Konfirmationen und Sonntagsessen und waren Sinnbild für das, was man sich nach entbehrungsreichen Jahren endlich wieder leisten wollte: Eleganz, Fülle und ein Hauch von Luxus.

Kulinarischer Zeitgeist der 50er- und 60er-Jahre
Die Küche der 1950er- und 1960er-Jahre war geprägt vom Wirtschaftswunder, vom Wunsch nach Ordnung, Großzügigkeit und neuen Genüssen. Nach den mageren Kriegs- und Nachkriegsjahren wurde wieder aufgetragen: Fleisch, Sahne, Butter, Ei – alles, was satt und glücklich machte.
Gleichzeitig hielt eine neue Ästhetik Einzug in die Haushalte. Gerichte sollten nicht nur schmecken, sondern auch aussehen: gerollt, glasiert, angerichtet auf Platten mit Petersilie und Zitronenscheiben. Spargelröllchen erfüllten all das – sie waren saisonal, elegant und ließen sich perfekt vorbereiten.
Warum Spargel?
Spargel galt schon damals als königliches Gemüse. Weißer Spargel war etwas Besonderes, teuer, saisonal begrenzt – und damit ein Statussymbol auf dem Tisch. In Kombination mit gekochtem Schinken und einer cremigen Sauce wurde daraus ein Gericht, das sowohl bodenständig als auch festlich wirkte.
Spargelröllchen wurden häufig kalt serviert, als Vorspeise oder Teil eines Buffets – ideal für größere Gesellschaften, wie sie in den 60er-Jahren immer beliebter wurden.
Klassisches Rezept: Spargelröllchen wie in den 50er-Jahren
Zutaten (für 4 Portionen)
1 kg weißer Spargel
Salz, Zucker, Butter
8–12 Scheiben gekochter Schinken
200 g Crème fraîche oder saure Sahne
2 EL Mayonnaise
1–2 TL Zitronensaft
Salz, weißer Pfeffer
Muskat (optional)
Zum Garnieren (typisch für die Zeit):
Petersilie
Zitronenscheiben
hartgekochte Eier, gehackt
Zubereitung
Spargel vorbereitenSpargel schälen, Enden abschneiden. In reichlich Salzwasser mit einer Prise Zucker und einem Stück Butter bissfest garen. Abgießen und vollständig abkühlen lassen.
Sauce anrührenCrème fraîche mit Mayonnaise verrühren, mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und einer Spur Muskat abschmecken. Die Sauce soll mild und cremig sein, nicht zu dominant.
Röllchen formenJe 2–3 Spargelstangen in eine Scheibe Schinken einrollen. Die Röllchen nebeneinander auf eine große Platte legen.
AnrichtenDie Sauce großzügig über die Spargelröllchen geben oder separat servieren. Mit Petersilie, Zitronenscheiben und gehacktem Ei dekorieren – ganz im Stil der Zeit.
Durchziehen lassenVor dem Servieren mindestens 30 Minuten kalt stellen – Spargelröllchen schmecken gut durchgezogen am besten.
So wurden sie serviert
Als Vorspeise vor Braten oder Fisch
Auf Buffets neben Geflügelsalat, Eiern in Aspik und Käseigel
Mit frischem Weißbrot oder Toast
Dazu: ein Glas Weißwein oder ein trockener Sekt
Ein Stück kulinarische Erinnerung
Spargelröllchen sind mehr als ein Rezept – sie sind ein Spiegel ihrer Zeit. Sie erzählen von neuem Wohlstand, von dem Wunsch nach Schönheit auf dem Teller und von Familien, die wieder gemeinsam feierten. Heute erleben sie ein kleines Comeback: als Retro-Klassiker, neu interpretiert oder ganz bewusst original.
Manchmal ist genau das der größte Luxus: ein Gericht, das Erinnerungen weckt.



Kommentare