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Food, Drinks and Lifestyle

Österreichische Dessertkunst – Süßes mit Seele

  • Autorenbild: all about taste Team
    all about taste Team
  • 5. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Österreich kann Kaffeehaus.

Aber vor allem kann Österreich Desserts mit Drama.

Denn süß ist hier nie nur süß.

Es ist warm, üppig, manchmal schwer – und immer emotional. Österreichische Dessertkunst lebt nicht von Zurückhaltung, sondern von Textur, Hitze, Kontrasten und dem Mut, nicht perfekt sein zu wollen.


Viele dieser Desserts stammen aus der k.u.k.-Zeit, aus Klöstern, bürgerlichen Küchen und Gasthäusern. Sie wurden für Gäste gemacht, für Feste, für lange Nachmittage. Und man schmeckt das bis heute.



Was österreichische Dessertkunst ausmacht

  • warme Desserts statt Kühlschrankkuchen

  • Teig statt Creme

  • Pfanne, Ofen, Dampf statt Feinarbeit

  • Portionen, die satt machen – nicht beeindrucken wollen

  • Süßspeisen als Hauptdarsteller, nicht als Beilage

In Österreich ist Dessert kein Abschluss.

Es ist oft der Höhepunkt.


Kaiserschmarren – Chaos mit Krone

Zerrissen, karamellisiert, mit Puderzucker bestäubt.Außen leicht knusprig, innen weich und saftig.

Der Kaiserschmarren ist vielleicht das bekannteste Beispiel dafür, dass Perfektion hier keine Rolle spielt. Im Gegenteil: Er wird absichtlich zerstört.

Der Legende nach entstand er, weil ein Pfannkuchen misslang – und dem Kaiser trotzdem schmeckte. Ob wahr oder nicht: Die Geschichte passt perfekt.


Kaiserschmarren – das zerissene Original


Zutaten (für 2–3 Personen)

  • 4 Eier

  • 200 ml Milch

  • 150 g Mehl

  • 1 Prise Salz

  • 2 EL Zucker

  • Butter zum Ausbacken

  • Puderzucker zum Bestäuben


Zubereitung Eier trennen. Eigelb mit Milch, Mehl, Salz und Zucker glatt rühren.Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterheben.

Butter in einer großen Pfanne schmelzen, Teig hineingeben und bei mittlerer Hitze stocken lassen.Sobald die Unterseite goldbraun ist, wenden (oder im Ofen fertig garen), dann mit zwei Gabeln in grobe Stücke reißen.Noch etwas Butter und Zucker zugeben, leicht karamellisieren.

Servieren mit Zwetschgenröster, Apfelmus oder Preiselbeeren.


Salzburger Nockerl – Süßes wie eine Landschaft

Drei goldene Spitzen, die die Berge rund um Salzburg symbolisieren.Leicht, luftig, warm – und kaum serviert, schon wieder vergangen.

Salzburger Nockerl sind ein Soufflé, das man nicht beherrschen kann. Es fällt zusammen. Immer. Und genau das gehört dazu.


Warum sie besonders sind

  • sie werden sofort serviert

  • sie verzeihen keine Wartezeit

  • sie existieren nur im Moment


Grundidee

Eischnee, Zucker, etwas Mehl, Vanille – sonst nichts.Der Zauber liegt im Timing.

Ein Dessert über Vergänglichkeit. Und Geduld.



Salzburger Nockerl – flüchtig & luftig

Zutaten (für 3 Portionen)

  • 4 Eier

  • 100 g Zucker

  • 1 Päckchen Vanillezucker

  • 30 g Mehl

  • Butter für die Form

  • Puderzucker


Zubereitung

Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.Auflaufform buttern.

Eier trennen. Eiweiß mit der Hälfte des Zuckers steif schlagen.Eigelb mit restlichem Zucker und Vanillezucker cremig rühren, Mehl unterheben.Eischnee vorsichtig unterziehen.

Mit einem großen Löffel drei „Nockerl“ in die Form setzen.Ca. 10–12 Minuten backen – sie sollen goldgelb sein, innen aber weich bleiben.


Wichtig: Sofort servieren. Warten ist keine Option.


Wäschermädeln – fast vergessen, völlig zu Unrecht

Kleine, frittierte Teigkugeln aus Brand- oder Germteig.Außen knusprig, innen weich.

Der Name stammt vermutlich aus dem bürgerlichen Wien des 19. Jahrhunderts – süß, verspielt, ein bisschen anzüglich. Heute findet man sie kaum noch auf Speisekarten.


Serviert mit

  • Marillenmarmelade

  • Vanillesauce

  • Staubzucker

Wäschermädeln sind ein Beispiel dafür, wie viele Schätze der österreichischen Küche leise verschwinden – und es nicht verdient haben.


Zutaten

  • 250 ml Milch

  • 50 g Butter

  • 1 Prise Salz

  • 150 g Mehl

  • 3 Eier

  • Öl zum Frittieren


Zubereitung

Milch, Butter und Salz aufkochen. Mehl auf einmal einrühren, bis sich der Teig vom Topfboden löst.Etwas abkühlen lassen, dann Eier einzeln unterrühren.

Mit zwei Löffeln kleine Portionen abstechen und im heißen Öl goldbraun frittieren.Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Servieren mit Marillenmarmelade, Vanillesauce oder Staubzucker.


Palatschinken – dünner als Crêpes

Zutaten

  • 250 ml Milch

  • 2 Eier

  • 125 g Mehl

  • 1 Prise Salz

  • Butter zum Backen


Zubereitung

Alle Zutaten zu einem dünnflüssigen Teig verrühren.In einer gebutterten Pfanne sehr dünne Palatschinken ausbacken.


Klassische Füllungen

  • Marillenmarmelade

  • Topfen-Zucker-Zitronenabrieb

  • Nussfüllung


Topfenknödel – weich & tröstlich

Zutaten

  • 250 g Topfen (Quark)

  • 1 Ei

  • 60 g Butter, weich

  • 80 g Grieß

  • 1 Prise Salz


Zubereitung

Alle Zutaten vermengen, ca. 20 Minuten ruhen lassen.Knödel formen und in leicht siedendem Salzwasser ca. 10 Minuten ziehen lassen.


Brösel

Butter schmelzen, Semmelbrösel goldbraun rösten, Zucker nach Geschmack zugeben.Knödel darin wälzen.


Buchteln – warm, weich, unwiderstehlich

Zutaten (Germteig)

  • 500 g Mehl

  • 1 Würfel Hefe

  • 250 ml Milch, lauwarm

  • 80 g Zucker

  • 80 g Butter

  • 1 Ei

  • Prise Salz

  • Powidl oder Marmelade


Zubereitung

Germteig herstellen, gehen lassen.Teig portionieren, füllen, zu Kugeln formen.In gebutterte Form setzen, nochmals gehen lassen.Bei 180 °C ca. 30 Minuten backen.

Servieren mit Vanillesauce. Immer.


Österreichische Dessertkunst ist kein Trend.

Sie ist Tradition, Trost und Theater zugleich.

Sie darf schwer sein.Sie darf zerfallen.Sie darf satt machen.

Süßspeisen sind hier keine Nachspeise.Sie sind ein Statement.

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