🇮🇹 Omas Küche weltweit: Italien
- all about taste Team
- vor 3 Tagen
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Pasta e Ceci – Wenn eine italienische Nonna aus wenig alles macht
In vielen italienischen Küchen gibt es Gerichte, die nie aufgeschrieben wurden. Sie existieren nur in Erinnerung, in Bewegung, im Gefühl für den richtigen Moment. Pasta e Ceci ist genau so ein Gericht. Kein Sonntagsessen, kein Festmahl – sondern Alltag. Und vielleicht gerade deshalb eines der ehrlichsten Gerichte Italiens.
Wenn eine Nonna Pasta e Ceci kocht, dann nicht, weil sie Gäste erwartet. Sondern weil es kalt ist. Oder weil der Vorratsschrank nicht viel hergibt. Oder einfach, weil genau dieses Gericht nach Zuhause schmeckt.
Kichererbsen, Pasta, Olivenöl – mehr braucht es nicht. Und doch entsteht etwas, das wärmt, sättigt und beruhigt.

Die Geschichte hinter dem Gericht
Es gibt Gerichte, die entstehen aus einer Idee.Und es gibt Gerichte, die entstehen aus einem Alltag.
Pasta e Ceci gehört zur zweiten Sorte.Es ist kein Rezept, das jemand „erfunden“ hat. Es ist ein Gericht, das sich über Generationen geformt hat – still, pragmatisch, zuverlässig.
Sein Ursprung liegt in der cucina povera, der sogenannten armen Küche Italiens. Doch arm war daran eigentlich nur der Geldbeutel. Die Küche selbst war reich an Wissen: darüber, wie man satt wird, ohne viel zu haben. Wie man aus wenigen Zutaten ein Essen kocht, das nährt – körperlich und emotional.
Kichererbsen waren immer da.Getrocknet, haltbar, günstig. Sie lagen in Säcken in Vorratskammern, bereit für Tage, an denen es sonst nichts gab. Pasta ebenso. Hartweizen, Wasser, Zeit – mehr brauchte es nicht.
Zusammen ergaben sie ein Gericht, das alles Wesentliche vereint:Protein, Kohlenhydrate, Wärme, Tiefe.Ohne Fleisch. Ohne Luxus. Ohne Ablenkung.
Kein Rezept, sondern eine Haltung
Pasta e Ceci ist kein Gericht mit klaren Linien. Es ist keine Suppe im klassischen Sinn. Kein Eintopf. Kein Pastagericht, wie man es heute kennt.
In vielen Regionen Italiens wird es fast löffelbar gekocht. Die Pasta gibt ihre Stärke ab, die Kichererbsen zerfallen teilweise, das Olivenöl verbindet alles zu einer cremigen Masse. Man isst es langsam, oft direkt aus dem Topf, manchmal am nächsten Tag noch einmal – dann schmeckt es sogar besser.
Diese Konsistenz ist kein Zufall.Sie ist Ausdruck einer Küche, die gelernt hat, aus wenig viel zu machen. Stärke ersetzt Sahne. Zeit ersetzt Technik. Geduld ersetzt Raffinesse.
Regional, leise, eigenständig
Pasta e Ceci ist überall anders – und doch immer gleich.
In Rom ist es dick, beinahe breiig. In Apulien flüssiger, oft mit etwas Tomate.In den Marken mit Rosmarin. In Kampanien manchmal scharf, manchmal ganz pur.
Was es nie war: genormt.
Es gab kein festgeschriebenes Rezept, keine Mengenangaben, keine Regeln. Man kochte, was da war. Man würzte nach Gefühl. Man ließ es ziehen, bis es richtig war.
Und vielleicht liegt genau darin seine Stärke.
Essen für jeden Tag
Pasta e Ceci war kein Festessen.Es war ein Gericht für die Mitte des Lebens: für Wochentage, für Abende, für Zeiten, in denen man einfach etwas Warmes brauchte.
Es wurde an fleischlosen Tagen gekocht, an Tagen nach der Arbeit, an Tagen, an denen es nicht viel zu feiern gab – außer, dass man satt wurde.
Heute taucht Pasta e Ceci in modernen Küchen wieder auf. In Trattorien, auf minimalistischen Speisekarten, manchmal neu interpretiert. Doch sein Kern bleibt unverändert.
Es ist kein Gericht, das beeindrucken will.Es ist ein Gericht, das bleibt.
Das Dazwischen als Luxus
Vielleicht kochen wir Pasta e Ceci heute wieder, weil wir uns nach genau diesem Dazwischen sehnen. Nach Essen, das nicht erklärt werden muss. Das keine Geschichte erzählt, sondern selbst eine ist.
Beige, cremig, unscheinbar – und genau deshalb so kraftvoll.
Pasta e Ceci ist kein Trend. Es ist ein stilles Versprechen: Du brauchst nicht viel, um gut zu essen.
Zutaten für 4 Portionen
250 g kleine Pasta (Ditalini, Tubetti oder kleine Muscheln)
250 g gekochte Kichererbsen (oder 1 Dose, gut abgespült)
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 Zweig Rosmarin
3–4 EL Olivenöl extra vergine
ca. 800 ml Gemüsebrühe
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
optional: ein Stück Parmesanrinde
Zubereitung – langsam, ohne Eile
Zwiebel fein hacken, Knoblauch leicht andrücken. Beides in Olivenöl bei niedriger Hitze anschwitzen – nicht bräunen. Der Rosmarin kommt jetzt dazu, damit er sein Aroma abgeben kann.
Die Kichererbsen unterrühren, kurz mitziehen lassen. Dann die Brühe angießen und – wenn vorhanden – die Parmesanrinde einlegen. Sie gibt Tiefe, ohne dominant zu sein.
Nun die Pasta direkt in der Suppe garen. Dabei regelmäßig umrühren, denn die Stärke der Pasta bindet die Flüssigkeit. Genau das ist gewollt.
Am Ende mit Salz, Pfeffer und einem guten Schuss Olivenöl abschmecken.
Nonna weiß:
Pasta e Ceci darf dick sein. Fast cremig. Wenn du unsicher bist, ob es zu wenig Flüssigkeit ist – dann bist du wahrscheinlich genau richtig.



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